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Berlin, Berlin – oder: Multi-Channel und kein Ende?

Berlin war in dieser Woche Schauplatz von 2 großen Branchen-Events: Dem Europäischen Online-Handelskongress / etailment Summit und dem Deutschen Handelskongress. 4 Tage, an denen sich Teilnehmer und Referenten mit den Entwicklungen und Herausforderungen des (Online-) Handels auseinandergesetzt haben.

 

Worum ging es?

Auch wenn der Krawatten-/Turnschuh-Quotient auf beiden Veranstaltungen sehr unterschiedlich war, in der Schnittmenge gab es doch drei Blöcke, die mir sehr bekannt vorkamen. Block 1 mit amazon und Zalando („das sind die beiden, auf die alle schauen und über die alle reden“), Block 2 mit Multi-, Omni-, Cross-Channel (das ist das, worüber alle reden) und Block 3 mit Online und Mobile (das sind die Trends). Die Dauerbrenner eben – und sie sind es bereits auf den Veranstaltungen des kommenden Jahres; zumindest bei denen, die schon ein Programm haben.

Nicht überraschend ist dann auch, dass aus diesem Grunde der eine oder andere Besucher oder Aussteller oder Referent beide Veranstaltungen besucht um a) Antworten auf seine Fragen zu finden oder b) Antworten auf die Fragen der anderen zu geben.

Für mich zeigt das – und das ist mit Sicherheit nicht repräsentativ – warum gefühlt wenig im Handel passiert; auf der Innovations- und Gestaltungsseite wohlgemerkt:

Der Kaninchen-/Schlange-Effekt:

Oder es war der Hase. Egal. Jeder redet darüber, was die großen Unternehmen mit “a” und “z” machen, was als nächstes kommt und wer möglicherweise kommt um es mit ihnen aufzunehmen. Gefühlt bleibt es aber bei den Diskussionen und einer spürbaren Risiko-Aversion, die zu aktivem Abwarten führt. Nun, einen, der es mit dem großen “a” aufnehmen will gibt es immerhin schon – der kommt allerdings aus Japan;-)

Der “Ich-seh-den-Wald-vor-lauter-Bäumen-nicht-Effekt”:

Das Angebot an Konzepten, Lösungen, Techniken und Technologien ist enorm groß. Das macht die Entscheidung absolut nicht einfach und erklärt das große Interesse an Best-Practice-Beispielen. Wer hat es schon mal gemacht und kann ich sichergehen, dass es funktioniert? So bleibt es jedoch bei den Optionen “Abwarten und gucken, was die anderen machen” oder “Tun, was die anderen tun”. Aus meiner Sicht ist beides riskanter als ein mehr oder weniger geordnetes Trial & Error. Das passt zum “Listen-and-Learn”-Modus, in dem sich Otto nach Aussage von Dr. Mchael Heller befindet.

Erfrischend war in diesem Kontext hingegen die Aussage von Karl-Erivan W. Haub (Tengelmann), der seine Kollegen auf dem Handelskongress zum Experimentieren ermutigte und sinngemäß sagte, dass der, der Online nicht als Chance begreife, sein Geschäft lieber bleiben lassen sollte. Mit Sicherheit ine Essenz des Online-Engagements der Tengelmann-Gruppe seit 2001 und insbesondere seit 2009.

 

Was gibt es zu bemerken, zu beachten und zu erwähnen?

Es gibt reichlich Chancen – auch und besonders für den Retail. Tony Stockil von der Javelin Group hat auf dem etailment Summit ziemlich deutlich gesagt, dass eine der Hauptursache für die Multi- oder Omni-Channel-Probleme des deutschen Einzelhandels (Oh, er hat Omni-Channel gesagt..) ist die Organisations- und Machtstruktur. Regionale Mitsprache, starke Franchisenehmer, regionale und kanalindividuelle Preisdifferenzierung und zu viel Mitbestimmung machen es quasi unmöglich mit einheitlichen und sich für den Kunden nahtlos anfühlenden Angeboten an den Markt zu gehen. In UK sei das aufgrund zentralistischer Strukturen und besseren Möglichkeiten zur Preisbindung kein Thema.

Zwei weitere für mich wesentliche Dinge aus seinem Vortrag: Retail hat große Chancen durch die Adaption und Integration der “neuen” Online-Technologien in bestehende und zukünftige Retail-Konzepte. Sogenannte Digital Enhanced Stores werden wir in Zukunft häufiger sehen, was einher geht und gehen wird mit einer deutlichen Veränderung in der Struktur der Store-Landschaft: Tendenziell weniger Läden mit geringerer Fläche und geänderten Nutzungsschwerpunkten. Durch die Online-Integration lassen sich theoretisch alle Artikel eines Händlers präsentieren und verkaufen, während nur ein begrenztes Angebot vor Ort verfügbar ist. Wer als Händler einen Zusatznutzen bietet und den Kunden länger im Laden behält, kann das ach so böse Showrooming zu seinem Vorteil nutzen.

Das ist auch die Erfahrung der Weltbild-Gruppe, so Carel Halff auf dem Handelskongress: Neue Filialen, die ein reduziertes Angebot bieten, Verlage, Autoren und Leser vernetzen und den Kunden in der Filiale länger verweilen lassen erzielen trotz geringerer Fläche höherer Umsätze.

Da geht anscheinend etwas..

 

Und sonst so?

Wie weiter oben schon erwähnt: Die aktuellen Themen gerade im Online Handel (oder für Händler, die unter anderem ein Online-Engagement haben) sind die alten Themen und vermutlich werden Sie es auch die zukünftigen sein. Insofern für diesen Bereich ernüchternd. Es zeigt aber auch, dass hier noch richtig Potential für Ideen, Innovation und Disruption ist. Wir sollten uns darauf konzentrieren!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Comment (1)

  1. Januar 28, 2013 - 20:49 - von Was war los in Bonn? Der Online-Handel 2013 Recap

    […] die alten Themen gleichzeitig die neuen Themen und ich kann mit diesem Post quasi nahtlos an die Berichterstattung aus Berlin in 2012 anschliessen. OK, SoLoMo darf nicht fehlen. Unternehmen, die mit a beginnen oder mit z übrigens […]

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