Future Commerce Blog

Der Handel lebt, oder: Trends im Retail

Vor einigen Tagen durfte ich Wolf Jochen Schulte-Hillen von SHSelection bei einem Vortrag über die Zukunft des Retail und die aktuellen Trends erleben.

Das spannende dabei ist, dass sich das eine oder andere stationäre Konzept für den Online Bereich adaptieren lässt; bei Multi-Channel-Ansätzen ist es sogar ein Muss für eine durchgängige und authentische Kundenkommunikation. Die Beispiele zeigen mir 1. das Retail immer eine Zukunft haben wird und 2. es erfolgreiche Konzepte für stationäre Pureplayer genauso gibt wie für Mehrkanal-Modelle nur eben keine Patentrezepte.

Hier sind die Trends, die ich für besonders wichtig halte. Die Reihenfolge bedeutet dabei keine Wertung oder Gewichtung:

Speed Retailing bzw. Speed Fashion vs. Slow Retailing

Wir erleben auf der einen Seite die Konzepte von H&M oder Forver21, die sich durch geringe Preise, enorme Kassenschlangen und damit verbundene schwindelerregende Lagerumschlagsgeschwindigkeiten auszeichnen.

Die Retailer auf der anderen Seite versuchen den Kunden / die Kundin so lange wie möglich in den eigenen Räumen zu halten und langfristig an sich zu binden. Hier drei ausgewählte Themen:

Storytelling

Perfekt ist es, wenn es zur Marke und zum Produkt eine Geschichte zu erzählen gibt, die einen deutlichen Mehrwert rechtfertigt. Sei es die lange Tradition einer Marke oder die besondere Herstellungsweise; erfolgreiche Retailer bauen Ihre Läden wie einen Maßanzug für diese Geschichte. Die Jeans-Hersteller sind dort ganz weit vorne, wie zum Beispiel Diesel in Tokyo.

Theatralisierung

Gross, pompös, bunt, einfach theatralisch. Der Store und die Marke als Inszenierung und Aufführung. Ein Mittel um die Kunden länger im Laden zu behalten, die Marke emotional aufzuladen, Kompetenz zu demonstrieren und natürlich mehr Umsatz zu machen. Ein wunderbar passendes Beispiel ist mit Sicherheit die Selfridge Shoe Gallery in London mit rund 55.000 Schuhen, (rund 4.000 verschiedene Artikel von ca. 150 Marken). Eine Tour durch die Gallery gibt es hier:

 

Das Theatralisierung und Inszenierung auch im Lebensmittelhandel funktioniert, beweist die Londoner Fleischerei/Metzgerei Victor Churchill:

Weitere Bilder aus diesem einzigartigen Geschäft finden sich hier.


Manufakturen

Produkte werden vor den Augen des Kunden individuell hergestellt oder modifiziert. Sei es die unverzügliche Kürzung einer Anzughose oder die Herstellung eines Massanzugs (wie bei Suitsupply). Individuelle Düfte kann man sich übrigens auch Offline zusammenstellen lassen und direkt mitnehmen: Bei Le Labo.
Suitsupply eröffnet in diesem Jahr noch eine Filiale in Düsseldorf.

Pop Up Stores und Vending Machines

Also doch! Vielleicht nur ein Nischenternd. Aber immerhin ein Trend über den wir schon mehrfach berichtet haben. Verkaufsautomaten und temporäre Geschäfte aus Überseecontainern – einfach oder als komplette Shopping Mall (Der Londoner Boxpark – wir berichteten – wird mit Verspätung voraussichtlich im Dezember starten) oder Geschäfte an zeitlich begrenzt angemieteten Orten. Letzteres wird übrigens gerne von exklusiveren Labels praktiziert um die Produkte in einem ungewohnten Umfeld zu inszenieren.

Vernetzung, Multi Channel und Social Media

Nein, das ist nicht neu. Nur die Initiatoren sind diesmal die anderen: Die Retailer, die von sich aus die Verbindung zu ihren Kunden in der digitalen Welt suchen…