Future Commerce Blog

Dotcom Blase 2.0 im Silicon Valley?

Die New York Times lieferte jüngst einen Aufmacher in dem sie behauptet, dass sich das Silicon Valley inmitten einer neuen dotcom Blase – getrieben durch die Begeisterung der Venture Capital Firmen über soziale Netzwerke und mobile Apps – befindet. Als Beispiel werden folgende Firmenbewertungen bzw. Ereignisse in den letzten Wochen genannt:

  • der Firmenwert von Twitter wurde auf vier Milliarden USD durch die Bieter (s.h. Techcrunch) hochgetrieben
  • der aktuelle Marktwert von 5 Milliarden USD der “Social Game” Entwicklerschmiede Zynga (bekannt für FarmVille auf Facebook)
  • das Übernahmeangebot von Google an Groupon von 6 Milliarden USD

Nur acht Monate davor wurde Groupon mit 1.35 Milliarden USD bewertet. Die Übernahme kam dennoch nicht zustande.

Zynga Groupon

Ein weiterer Hinweis für die neue dotcom Blase sind laut New York Times ein ganzes Bündel von Startups, die bereits Kapital in beträchtlicher Höhe eingesammelt haben:

  • Yammer erhielt 25 Millionen USD
  • Tumblr bekam 30 Millionen USD
  • GroupMe ganze 9 Millionen USD
  • und Path (Anbieter einer iPhone App zum sharen von Fotos in sozialen Netzwerken) 2.5 Millionen USD

Die eventuell neu drohende dotcom Blase war auch Thema beim Web 2.0 Summit. John Doerr, Managing Director von Kleiner Perkins Caufield & Byers, sagte während der Veranstaltung, dass sich Silicon Valley mitten in einer neuen Blase, angetrieben durch die schnellen Entwicklungen in den Bereichen soziale Netzwerke und mobile Applikationen, befindet.

Angel Investor Chris Sacca äußerte im Artikel, dass  sämtliche Investments zurückgehalten werden, bis sich die Marktwerte der Startups normalisieren.

Im Artikel wird daraufhin hingewiesen, dass es sich nicht um eine Börsenblase wie Anfang 2000 handelt, da keine der genannten Firmen bisher an der Börse notiert ist. In der ersten Finanzierungsrunde werden die Startups mit viel Kapital von Venture Capitals ausgestattet. In der zweiten Finanzierungsrunde erhalten diese nochmals erhebliches Kapital von Private Equity Investoren wie bspw. DST. Somit können die Firmen ihr Wachstum vorantreiben ohne an die Börse gehen zu müssen.

Das Ziel ist ein Exit an Cisco, Google, Intel, Microsoft oder Apple, denn diese Firmen verfügen über eine sehr gute Liquidität. Bei einem Börsencrash würden die Käufer, die an der Börse notiert sind, natürlich an Liquidität verlieren und der Marktwert der Startups würde fallen, aber die Käufe würden weiterhin stattfinden.

Ein weiterer Unterschied zur ersten dotcom Blase, ist die Möglichkeit für Web-Startups in kurzer Zeit eine sehr große Menge von Kunden zu erreichen und anzusprechen. Zynga hat 215 Millionen Benutzer und das obwohl Zynga “gerade” vier Jahre am Markt ist. Im Gegensatz dazu hatte das Startup Pets.com keine Möglichkeit während der ersten dotcom Blase Umsatz generieren.

Ich stimme der New York Times zu. Was denken Sie?


Comments (5)

  1. Dezember 17, 2010 - 11:34 - von Bertold

    So groß ist der Unterschied zur Dotcom-Blase gar nicht. Wenn man sich das Ganze mit etwas Distanz anguckt: Das Prinzip ist das gleiche. Wer früh investiert, kann hoffen seine Anteile irgendwann mit deutlichem Gewinn wieder zu verkaufen oder aber Anteile an einem hoffentlich profitablen Unternehmen zu halten . und diese später zu verkaufen;-)

    In Dotcom-Zeiten hat der Anleger alles gekauft, was vermutlich einen Netzwerkstecker oder irgendwas mit dem Internet zu tun hatte (Ich war dabei!). Nicht die Substanz war entscheidend . dafür interessierte sich niemand – sondern die Phantasie und der Glaube, der Trend halte ewig an. Prominente Beispiele waren EMTV und intershop. Marktkapitailsierung und tatsächlicher Unternehmenswert hatten wenig miteinander zu tun. Nachzügler wurden angelockt und haben fleissig Anteile gekauft. Die, die nüchtern geblieben sind, sind rechtzeitig ausgestiegen. Des Einen Gewinn, des Anderen Verlust..

    Heute erleben wir dasselbe. Nur ohne die Kleinanleger. Jeder will dabei sein. Neue Beteiligungszweige etablierter Unternehmen kommen (spät) auf den Markt uind kaufen fleissig Anteile. Auch hier ist es wichtig, dass irgenwer nachkommt und investiert. Man darf nur nicht der letzte sein und muss rechtzeitig verkaufen.

    Es wird so kommen, wie es vor zehn Jahren auch gekommen ist: Wer frühzeitig eine strategische und tragfähige (!) Position besetzt und die richtigen Marktbegleiter gekauft hat, wird überleben. Die anderen verbrennen Geld. Sobald der Rauch verzogen ist, kommt die neue Welle. Heisst dann anders, fuktioniert aber genauso.

    Phantasie ist gut, Substanz hilft beim langfristigen Überleben (wenn man es will und nicht nur an Veräußerungsgewinnen interessiert ist – dann ist es egal). Wie in der Evolution…

  2. Dezember 19, 2010 - 2:52 - von Dennis

    Wirklich Nett! i like it! Wo ist der Like Button fuer Facebook?

    • Januar 3, 2011 - 19:20 - von Thomas

      Hallo Dennis! VIelen Dank. Der “I like” Button ist nun wieder sichtbar:-)

  3. Januar 5, 2011 - 22:08 - von future commerce – Das Blog zur eCommerce Zukunft Nichts neues. Oder: Was war los vor 10 Jahren? » future commerce – Das Blog zur eCommerce Zukunft

    […] fragte im Dezember „Dotcom Blase 2.0 im Silicon Valley?“ Der Stern fragt: Ist Facebook 50 Mrd, wert? Und der Tagesspiegel schreibt über die „Angst vor der […]

  4. November 8, 2013 - 8:02 - von Zurück aus der Zukunft! | future commerce – Das Blog zur eCommerce Zukunftfuture commerce – Das Blog zur eCommerce Zukunft

    […] 17. Dezember 2010 fragte Thomas “Dotcom-Blase 2.0 im Sillicon Valley?” und bezog sich auf eine Meldung der New York Times. Enorm hohe Unternehmnsbewertungen und die Frage […]

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