Future Commerce Blog

Logistik passt nicht zu eCommerce!
Und in 10 Jahren?

Logistik ist analog. Das habe ich mir heute gedacht, als ich das für die Packstation zu große Paket mittels Abholkarte und Personalausweis in einer deutlich weiter entfernten Filiale mit spanischen Öffnungszeiten (9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr) ausgehändigt bekam.
Der Online Shop perfekt: Gute Preise, schnelle Lieferung, sicheres Bezahlen. Was will ich mehr? Taggleiche Lieferung? Einhaltung des zugesagten Liefertermins? Alles schön, aber nicht auf dem Niveau der „Shop-Technik“.

Ich habe den Eindruck, dass bei aller Diskussion um neue Shoppingkonzepte, Multichannel, Shopsoftware und Venture Capital gerne darüber hinweggesehen wird, dass nach der Übergabe des Auftrags an das Warenwirtschaftsystem ein Dimensionssprung erfolgt. Von der digitalen in die analoge Welt. Aus Daten werden Waren, Pakete, Last- und Lieferwagen (wenn wir Software- und Musikdownloads einmal ausklammern). Nichts ist mehr virtuell; und damit ein Systembruch.

Vermutlich wird den meisten Nutzern / Kunden reichen, wenn sie die Ware günstig, zu dem zugesagten Zeitpunkt (sehr häufig schon am nächsten Tag, wenn die Ware vorrätig ist) und unversehrt erhalten.

Wenn die technische Entwicklung so schnell voranschreitet, dass ich mir meine Bestellung mit einem 3-D-Drucker direkt in meinem Wohnzimmer ausdrucken kann oder wir es schaffen, Materie zu dematerialisieren und über geeignete Methoden an einem beliebigen Ort wieder zum Ursprungsobjekt zusammenzufügen (Beam me up, Scotty)… dann wird es spannend. Ich würde es gerne erleben.

Solange das nicht geht, muss die Ware bewegt werden. Und zwar zügig. Ein Beispiel, das gar nicht so weit weg ist (nein, Kosten habe ich nicht kalkuliert): Morgens in der Apotheke bestellt. Mittags da. Mittags bestellt, nachmittags da. Die Arzneimittel-Logistik ist enorm schnell. Sie setzt auf regionale (apothekeneigene) Niederlassungen und eigene Lieferfahrzeuge. Abgesehen von den politischen Aspekten: Dieses Prinzip könnte man doch für die (taggleiche) Auslieferung von im Internet bestellten (rezeptfreien) Medikamenten an Endkunden anwenden. Die Bestellung wird an das dem Kunden nächste Lager übermittelt, kommissioniert, verpackt und an das nächste freie und auf dem Weg in das Zielgebiet befindliche Fahrzeug (Fahrrad, Roller, Lieferwagen..) übergeben.

Dezentrale Läger in bzw in der Nähe von Ballungszentren; vor Jahren waren sie für die Warenhäuser in Innenstadtlagen mit ihren knappen Lagerflächen die „Zustellbasis“. Lassen wir den Gedanken wieder aufleben. Für ausgewählte Produkte und den einen oder anderen Händler kann das eine spannende Idee sein. Klar, die Warenverfügbarkeit ist zu gewährleisten sein, die Anforderungen an die Disposition steigen möglicherweise und kosten darf es auch nichts…

Aber solange ich meine Bestellung nicht „ausdrucken“ kann oder her-gebeamt bekomme, muss ich mir Gedanken machen, wie aus „konventionellen“ Logistik-Bausteinen eine eCommerce-adäquate Zustellung / Belieferung entstehen kann.

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