Future Commerce Blog
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Mobile Payment – Trend, Hype oder Diaspora?

Oder: Wann gehts es endlich los?

Wer sich mit Mobile Commerce beschäftigt, muss sich auch mit Mobile Payment beschäftigen.

Zunächst einmal deshalb, weil (Mobile) Payment untrennbar mit (Mobile) Commerce verbunden ist. Commerce / Handel bedeutet den Austausch von Gütern und Leistungen gegen Geld (und andere Leistungen) – es sei denn, es handelt sich um Spenden oder Zuwendungen.

Schließlich deshalb, weil alles, was mit Mobile zu tun hat Dauertrend-Status besitzt.

Wer sich über Mobile Payment unterhält, stellt fest, dass nicht jeder Gesprächspartner, der Mobile Payment sagt, das gleiche meint. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten und Facetten.

Einigkeit wird darüber bestehen, dass die Gemeinsamkeit und das Zentrum aller Verfahren,  Applikationen und Methoden das mobile Endgerät – in der Regel ein Smartphone und nicht das Notebook – ist. Danach wird es etwas komplexer. Nämlich wenn man eine Einteilung nach dem Ort der Transaktion vornimmt:

1. Vor-Ort- oder Mobile Proximity Payments
Der Kunde ist (persönlich) am sogenannten Point of Sale und zahlt mit Hilfe und Unterstützung seines mobilen Endgerätes: kontaktlos per NFC (Mobile Wallet-Lösungen sind eingeschlossen), über gescannte Barcodes oder über individuelle numerische Codes.

2. Von überall, oder Mobile Remote Payments
Der Kunde kann die Zahlung von überall tätigen; vorausgesetzt eine Datenverbindung ist vorhanden. Die Varianten sind insbesondere:

  • Browserbasierte Zahlungen (auf der Website des Online Shops)
  • Nachrichtenbasierte Zahlungen (zum Beispiel per SMS).
  • Applikationsbasierte Zahlungen (Mobile Wallet-Applikationen und In-App-Payments zum Beispiel in Busticket- oder Spiele-Applikationen)

3. Der Sonderfall
Mobile (Karten-) Terminals, die es Händlern schnell und unkompliziert erlauben, Zahlungen entgegen zu nehmen (Beispiel: Square).


Eine Frage der Definition

Je größer man den Kreis fasst, umso höher sind natürlich die zu vermeldenden Umsätze. Der Optimist wird alle Zahlungen erfassen, die überhaupt über ein mobiles Endgerät abgewickelt werden und die Zahlungen addieren, die per Online-Banking eine offene Rechnung eines Händlers begleichen. Ist das noch Mobile Payment oder Mobile Banking?

Ist es Mobile Payment, wenn ich beim Händler meines Vertrauens meine Kreditkartennummer im Checkout in mein Smartphone tippe


Der Stand der Dinge. Oder warum noch richtig viel Luft nach oben ist

Während die einen sagen, dass Mobile Commerce (und damit Mobile Payment für das diesjährige Weihnachtsgeschäft keine große Rolle spielt, melden andere mehr als erfreuliche Zahlen. Laut Fittkau & Maaß planten nur knapp 8 % der Internetnutzer und Smartphonebesitzer einen mobilen Weihnachtsgeschenkkauf.


PayPal
hingegen sieht die Sache sehr positiv: In Deutschland wurden im laufenden Jahr (bis Ende November) mehr als 170 Mio Dollar mobil bezahlt. Ein Drittel davon entfallen auf Käufe über eBay. Die Top-Kategorien waren lokale Deals, Elektronik und Fashion. Mobile Commerce und Payment finden nach eigenen Angaben eine schnelle Akzeptanz bei Händlern und Kunden.


Trend, Hype oder Diaspora? Ist Mobile Payment überhaupt relevant?

Ja, Mobile Payment – welche Abgrenzung man auch vornehmen mag – ist relevant. Aber noch nicht relevant genug für den (End-) Kunden. Warum?  Dafür gibt es mindestens 5 Gründe:

1. Gewohnheiten
Der deutsche Kunde zahlt immer noch am liebsten auf Rechnung oder mit seiner EC-Karte. Gewohnheiten zu ändern braucht Zeit;-) An der Technik oder Technologie liegt es nicht… es ist die Psychologie.

2. Verbreitung der Technik
Wenn nur rund 18% der Deutschen über 14 ein Smartphone besitzen, nur 2 aktuelle Handymodelle einen NFC Chip haben und Händler (noch) nicht wissen, welchem System sie sich anschliessen sollen und die erforderlichen Investitionen scheuen… Dann ist noch viel zu tun. Ein spannende Frage ist: Wie schnell wird sich NFC für Mobile Payment verbreiten, wenn das nächste iPhone mit dieser Technik ausgerüstet wird? Vermutlich sehr schnell…

3. Zu viele Alternativen und Insellösungen
So lange es keine “elektronische Währungsunion” gibt, tragen wir für jeden Händler (s)eine individuelle Applikation in unserem Smartphone herum. Auf der einen Seite kann das die Kundenbeziehung oder – bindung verbessern. Auf der anderen Seite wird der Überblick über Applikationen, Zugangsdaten und Passwörter nicht gerade einfacher oder das Bezahlen schneller. Und einfach und schnell sind die Argumente für Mobile Payment.

4. Kosten
Für den Kunden sind mit mobilen Zahlungen in der Regel keine (zusätzlichen) Transaktionskosten fällig. Für den Händler schon. Und genau diese Kosten können dem Händler den Spaß verderben und ihn davon abhalten mobile Zahlungen anzubieten.

5. Sicherheit
Hier haben Händler und Kunde ein ähnliches Interesse: Der Händler möchte  einen sicheren Zahlungseingang. Der Kunde möchte, dass das Geld, das er transferiert auch tatsächlich beim Empfänger ankommt und nicht mehr. Und nicht woanders. Das spricht zunächst für “große” Namen in der Branche – auch für Banken als Payment-Anbieter. Nur bedeutet ein gefühltes “sicher” nicht unbeding gleichzeitig “innovativ” oder “schnell”.

 

Und jetzt?

So lange sich nicht so etwas wie ein Standard etabliert, werden die Systeme und Händler die größte Freude am Mobile Payment haben, die aufgrund ihrer Größe und der Attraktivität ihres Angebots nicht die Payment-Lösung in den Markt drücken müssen, sondern der Kunde sie als attraktiven Bestandteil des Angebots mitnimmt oder idealerweise fordert.

Wie Mobile Payment in den nächsten Monaten und Jahren aussehen wird und wer am Ende des Tages Geld damit verdient – sei es durch (zusätzlichen) Umsatz oder durch Transaktionsgebühren – entscheidet letztendlich der Kunde.

Es geht weniger darum, ob Mobile Payment (in all seinen Varianten) “brummt”. Es geht darum, wann es wirklich losgeht und wer letztendlich im richtigen Zug sitzt.

Welches der richtige Zug ist, hängt davon ab, dass ich weiß, wo ich hin will. Aber ich muss auch rechtzeitig am richtigen Bahnsteig sein UND einsteigen…