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PopUp-Store selbst gemacht…

Der stationäre Handel stirbt angeblich, Flächen stehen ungenutzt leer oder werden von unschönen Postenmärkten entwertet – mit Kollateral-Schäden für das umliegende Einzelhandelsumfeld.

Parallel wagen sich die sogenannten eCommerce-Pure-Player dauerhaft und regional verteilt auf festen Boden, der von Mörtel, Beton und Glas umgeben ist – und versuchen ihr Glück bezüglich diverser Umsatz- oder Marketingziele zu erreichen.

Und dann gibt es da noch das trendige Phänomen Waren auf temporären Einzelhandelsflächen in leer stehenden (Einzelhandels-) Immobilien oder in umfunktionierten Übersee-Containern anzubieten.

Keine Sache primär für Postenmärkte – eigentlich mehr eine Idee für (Handels-) Marken und höherwertige Ware: PopUp Stores.

Über die letzten Jahre haben wir die eine oder andere gute oder überraschende Idee vorgestellt, die uns über den Schirm geflackert oder vor die Linse gelaufen ist – wie gesagt, ein Phänomen mit mehr als Trend-Charakter.

Wenn wir 1 und 1 und 1 zusammenzählen, stellt sich die Frage (also mir zumindest): Kann ich – und wenn ja auf welche Weise – einen PopUp-Store nutz- und gewinnbringen aufbauen und betreiben? Warum eigentlich nicht?

 

Warum einen PopUp-Store?

Nun, Gründe für temporäre Verkaufsflächen sehe ich insbesondere hier:

1. Für Onliner sind sie eine verhältnismäßig risikoarme Möglichkeit den stationären Handel “auszuprobieren” und bei den Kunden bekannter zu werden, die sich dem Online-Kauf verweigern. Das ist zwar regional begrenzt, bietet aber einen direkten Kundenkontakt.

2.  Für alle Händler (und Marken) lassen sich Promotions und Marktests für und mit neuen Produkten oder Produktlinien “fahren”.

3. Die räumliche und zeitliche Begrenzung in Verbindung mit einem PopUp-Strore-Exklusiv-Angebot schafft Begehrlichkeiten. Erfolgreiche Verkäufer werden das bestätigen.

4. Wer die Markenerosion durch eine Vermarktung preisreduzierter Überhänge vermeiden will, dem kommt die räumliche und zeitliche Begrenzung ebenfalls entgegen.

5. Nicht zuletzt das Einzelhandels- und Immobilenumfeld profitiert von spannenden PopUp-Konzepten: Potentielle Kunden werden (hoffentlich) angezogen, leerstehende und dadurch meist schäbig wirkende und abschreckende Flächen erfahren eine Aufwertung. Das dürfte die Gemeinde, die Kaufmannschaft und die Immobilenwirtschaft gleichermaßen interessieren. Eine nicht so ernst gemeinte Alternative: Man beklebt die Schaufenster der verwaisten Geschäfte mit Folien, die ein Warenangebot vortäuschen – passiert in Dublin.

6. Schließlich: Wer mit Containern arbeitet kann hervorragend mit ihnen “herumvagabundieren” – der Laden ist quasi immer fertig eingerichtet (es fehlt nur noch der passende Platz).

Jetzt sagen Sie vielleicht: Ja, das mache ich jetzt auch! Eine gute Idee – wirklich. Für diesen Fall gibt es vielleicht den einen oder anderen Tipp, der auf das Unterfangen vorbeitet.

 

Und jetzt?

Was also ist zu beachten, wenn ich einen temporären Laden aufmachen will?

1. Ziele, Ziele, Ziele
Fast trivial: Bevor es an die Suche der Fläche geht, sollte ich mir darüber klar sein, was ich damit anstellen will. Geht es “nur” um Marketing-Ziele? Geht es um Umsatz? Was will ich (wem) kommunzieren und verkaufen? Wie lange soll die Aktion dauern? Ist die Aktion einmalig oder soll der Store muliplziert werden?
Getreu dem Motto: Ohne Ziel ist jeder Weg richtig.

2. Budget
Ja, in die Kasse gucken, wie viel Geld ich habe und für dieses Projekt ausgeben will ist empfehlenswert. Sehr empfehlenswert.
Zu berücksichtigen ist neben der reinen Miete (für Langzeitmieten in 1A-Lagen in Metroploen stehen deutlich 3-stellige Quadratmeter-Mieten zur Diskussion) das Mobiliar und die Einrichtung – meist reicht die vorgefundene Ausstattung nicht.

3. Lage, Lage, Lage
Natürlich sollte die Fläche (ob in Ziegel oder als Stellplatz für Container) frei sein. Und natürlich sollte ich auch eine Option haben, diese für den gewünschten Zeitraum zu mieten. Nur wenn ich wirklich exklusive Angebote habe, für die meine Kunden selbst unter Strapazen überall hin fahren, ist die Lage zweitrangig.
In allen anderen Fällen ist sie es nicht. Wer selber stationäre Geschäfte betreibt, weiss das und ist im Vorteil. “Neulinge” sollten sich auf die Suche nach vertrauenswürdigen und kompetenten Ansprechpartnern aus der Immobillienbranche begeben.

4. Kommunikation
Bis es sich herumgesprochen hat, dass hier ein Kurzfrist-Geschäft aufgemacht, hat es schon wieder zu. Also braucht es geeignete Massnahmen und Kanäle um die (potentiellen) Kunden anzusprechen. Wer schon Kunden und ihre Daten hat, hat schon eine gute Basis.

5. Logistik
Das ist einerseits die Frage nach der Bereitstellung der der Ware, möglicher Merchandising-Artikel, Geschäftsusstattung und Co. Das betrifft andererseits die Frage nach der Fertigstellung der erforderlichen Arbeiten (Boden, Licht und Co.)

Nun, diese Liste ist nicht vollständig und vermutlich kommt es manchem Pure-Player wie Kreidezeit vor. PopUp-Stores haben aber viel Potenzial, andere und neue Kunden zu erreichen und bringen frischen Wind in starr gewordene Einzelhandelsgefüge der (Innenstädte). Die für die Zukunft absehbare Entwicklung im stationären Handel wird diese Entwicklung begünstigen und beschleunigen. Ein positiver Effekt in der Fussgängerzone wird sein, dass sich das Sortiment und die Marken immer wieder verändern und Kunden dazu anregen – auf der Suche nach etwas Neuem oder Besonderen – wieder zu kommen.

 

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(Artikelbild: iStockphoto.com)

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