Future Commerce Blog
Spyglass

Trend Transparenz?

Sind wir einmal ehrlich: Wer würde sich als Händler so richtig tief in die Karten gucken lassen? Wo ein gewisses Maß an Offenheit und Transparenz hervorragend geeignet ist, das Vertrauen des Kunden positiv zu beeinflussen und die Kaufwahrscheinlichkeit zu erhöhen, kann der Blick auf das gesamte Blatt durchaus nach hinten losgehen.

Während wenig detaillierte Auskünfte über Herkunft oder Art der Verarbeitung zum Beispiel bei Textilien kaum jemanden wirklich beindrucken dürften, ist die Benennung der (Vor-)Lieferanten in Verbindung mit der vollständigen Offenlegung der Kalkulation über die gesamte Wertschöpfungskette schon ausgesprochen mutig und kann verwirren. Die Verwirrung entsteht am ehesten bei den Kunden, die nicht nachvollziehen können, warum der Händler denn nun 200% aufschlagen muss – vor allem dann, wenn die Verkaufspreise ohnehin auf einem für ihn unverständlichen hohen Niveau liegen.

Aber genau für die exklusiveren Angebote jenseits von Discount und Speed-Retail und ihre entsprechend betuchten Kunden kann Transparenz ein gewichtiges Argument für den bewussten Konsum und Vertrauensaufbau zum Händler sein. Wie gesagt, im höherpreisigen Segment und bei Händlern bis zu einer bestimmten Größe. Je größer der Umsatz, desto mehr Interesse für die Kalkulation und die vermeintlich überzogenen Spannen. Eine Öffentlichkeitswirkung, die vielleicht nicht unbedingt jeder Händler wünscht.

Was für den “Großen” Händler – Online wie Offline – ein zweischneidiges Schwert ist (mit einer Seite, die deutlich schärfer ist), kann für einen kleineren Premium-Anbieter eine richtig gute Sache sein. Wie tief man die Bezugsquellen- und Kalkulationshose herunterlassen muss ist allerdings eine ganz individuelle Sache für die wir kein Patentrezept haben – ausser experimenteller Optimierung. Wichtig ist dabei: Ist die Hose erstmal ganz unten, wird ein Zurückschrauben in Richtung “weniger transparent” schwierig im Sinne von unglaubwürdig.

Dass wir hier nicht nur über theoretische Gebilde reden zeigt das Beispiel honest by. Im Februar 2012 – also vor rund 1,5, Jahren haben wir über das belgische Unternehmen berichtet, das wirklich die komplette Wertschöpfungskette bis zu Knopf und Faden im Material und Euro offenlegen. Und dass es offenbar keine Eintagsfliege ist zeigt, dass es das Unternehmen immer noch gibt – was beilebe nicht bei allen Ideen und Konzepten so ist, die wir hier vorgestellt haben.

Und: Es gibt immer mehr Unternehmen, die in eine ähnliche Richtung gehen. Allerdings scheint es einen Schwerpunkt bei mittel- bis höherpreisiger Mode zu geben.

 

Honest

 

Everlane zum Beispiel kommt dem belgischen Beispiel recht nah und ruft laut die radikale Transparenz aus. Laut deshalb, weil man Fabriken, Herkunft der Materialien marketingseitig gut aufbereitet hat und bunt im Online-Shop präsentiert. Dennoch: Everlane lässt schon recht tief blicken.

 

Everlane

 

Ein weiterer Shop, der mir in diesem Zusammenhang über den Bildschirm geflackert ist, ist Zady. Zady bezeichnet sich als Plattform für Hersteller, die sich zeitlosem Design und hervorragender Qualität verschrieben haben. Im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Beispielen ist man hier nicht ganz soooo transparent – was vermutlich auch an der Herausforderung liegt, von allen Lieferanten die gleichen Informationen nach Umfang und Qualität zu erhalten. Dennoch: Es hat Siegel für lokale Produktion, Handarbeit und Nachhaltigkeit.

 

Zady

 

Zur Nachhaltigkeit als (Trend-) Thema empfehle ich übrigens den Beitrag von Thomas.

 

(Artikelbild: iStockphoto.com)

Comment (1)

  1. Dezember 6, 2013 - 14:19 - von Hallo 2014 und Co.! Wo geht es lang in der Zukunft? (2) | future commerce – Das Blog zur eCommerce Zukunftfuture commerce – Das Blog zur eCommerce Zukunft

    […] Auch wenn Nachhaltigkeit mittlerweile an der einen oder anderen Stelle schon ein wenig inflationär verwendet wird und abgedroschen klingt; zusammen mit einer guten Portion an Transparenz lassen sich sehr gute Beiträge zur Alleinstellung für Marken und Händler leisten. Dafür gibt es schon jetzt gute Beispiele. […]

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar