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Wo sind die Konzepte geblieben?

Der Informations- und Neuigkeitengehalt von Meldungen korreliert zuweilen sehr stark mit der Aussentemperatur – allerdings entgegengesetzt. Was für die Tagespresse und das Privatfernsehen gilt, scheint auch die Fachmedien infiziert zu haben: Themendehnung bei gleichzeitiger Inhaltemultiplikation.

Dauerbrenner in unserem Bereich sind die beliebten Grabenkämpfe zwischen Multi-Channel- (auch Cross-Channel oder ähnlich benannt) und – Pure-Player-Lager; mit einem gemeinsamen Feind: Dem klassischen Handel. Die einen rückständig und trendverschlafend, die anderen einzig richtig und zwangserfolgreich, die anderen machen es einfach nicht richtig. Die Hölle, das sind die anderen – soll Sartre mal gesagt haben. In diesem Zusammenhang gewiss ein passendes Zitat.

Wer sich in eines der vielen Lager begibt wird im Zweifel so stark mit sich selbst beschäftigt sein, dass er (oder sie) das Wichtigste übersieht oder ignoriert: Den Kunden (ich empfehle dazu den sehr lesenswerten Artikel von Alexander Graf). Das ist der Knackpunkt an fast allen Konzepten: Sie dienen mehr sich selbst und dem Konzeptentwickler als dem, der schlussendlich über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet.

 

Konzepte haben noch weitere Schwächen.

Vorhersagbarkeit
Man kann in den seltensten Fällen den Erfolg eines Konzeptes vorhersagen. Im Nachgang lässt es sich sehr gut argumentieren warum ein Konzept aufgegangen ist oder nicht. Die Gründe sind dann bekannt. Umgekehrt funktioniert das nicht – zuviele Einflussfaktoren:

Unvollständige Information
Wie sollte die Information auch vollständig sein? Die Zeit ist knapp, Informationsbeschaffung dauert und wir alle wollen einfache Regeln / Entscheidungskriterien.

Starrheit und Eindimensionalität
Was die Handhabbarkeit von Konzepten erleichtert sind einfache Regeln. Das bildet aber keinesfalls die Realität zutreffend ab. Das beste Konzept nützt nichts, wenn es ballistisch aufgesetzt wird: Kanone ausrichten, zünden und schauen, wo die Kugel aufkommt

Me-Too-Falle
Der Blick zu einem Beispiel, das erfolgreich verlaufen ist: Wenn mein großes Vorbild das so gemacht hat und damit Erfolg hatte, wird es bei mir auch so sein. Ein Trugschluss, der viele (interne) qualitative Faktoren unberücksichtigt lässt – zum Beispiel die Mitarbeiter.

 

Alle Konzepte für die Tonne?

Alle Konzepte, die jemand schon fertig in der Tasche hat.

Wer im Handel (damit meine ich alle Formen) erfolgreich sein will, sollte sich sein eigenes, hoch individuelles Konzept (ob allein oder mit Unterstützung) bauen, es immer wieder überprüfen, es im Zweifel im Sinne von Trial and Error auch wieder verwerfen, um aus dem Gelernten neue Ideen zu gewinnen.

Das kann auch bedeuten sich selbst in Frage zu stellen, die eigene (starre) Position aufzugeben und etwas Neues “mit Handel” zu machen. Das ist es was Händler machen: Sie handeln. Konzepte und Kanäle sind nur der Mittel zum Zweck. Die Teilnahme an (sommerlichen) Endlosdiskussionen und Grabenkämpfen gehört mit Sicherheit nicht dazu.

 

(Photo: istockphoto.com)

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